253.G68 Studio // 8.0 ECTS // WS 2022

commuting wastelands

Der öffentliche Raum ist Grundvoraussetzung für städtisches Leben. Dem Flächen- und Qualitätsverlust sowie der Zweckentfremdung und Kommerzialisierung des öffentlichen Raums muss entgegengewirkt werden.

An den Ausläufern des Wiener Waldes gelegen, besitzt die Wiener ‘Vorortelinie‘ ein beachtliches Potential.
Mit baulichen Interventionen entlang der ausgewählten Stations- und Streckenbereiche Hütteldorf, Penzing, Ottakring, Hernals, Währing und Döbling sollen langlebige strukturen als urbane und ökologische Drehscheiben mit kultur- und sozialräumlichem Anspruch entwickelt werden, die auf kommerzielle Verdrängungs- und Veränderungsprozesse sowie die zunehmende Gentrifizierung im jeweiligen Quartier mit gemeinschaftsbildenden Effekten reagiern und mit einem zukunftsorientierten Grünraumkonzept zur strategischen Reduktion des Individualverkehrs als Naherholungszone beitragen.

Die im Zusammenhang mit der Eingemeindung der Vororte vorgenommene Novellierung der Bauordnung 1883 verpflichtete den Wiener Gemeinderat zur Ausarbeitung eines das gesamte Gemeindegebiet umfassenden und die Grundzüge der künftigen Stadtentwicklung aufzeigenden Generalregulierungsplans. Die wesentlichsten Zielvorstellungen desselben waren die funktionelle Grobgliederung des Stadtgebiets, die Ausgestaltung des Verkehrsnetzes sowie die weitgehende Berücksichtigung ästhetischer Gesichtspunkte bei allen städtebaulichen Fragen. (1) Die Vorortelinie war ursprünglich Teil der in diesem Zusammenhang vom Architekten Otto Wagner gestalteten Wiener Dampfstadtbahn. Sie ist im Spannungsfeld zwischen dem Wiener Gürtel und dem Erholungsgebiet des Wiener Waldes gelegen und kreuzungsfrei trassiert. Der nordwestlich verlaufende Grüngürtel vom Lainzer Tiergarten, Wiener Wald bis zur Donauinsel Nord stellt neben der Spange Prater, Donauinsel Süd und der Lobau den größten zusammenhängenden Naherholungsraum der Stadt Wien dar. Die Vorortelinie verbindet über eine Länge von ca. 14,5 km die ehemaligen Vororte Penzing, Ottakring, Hernals, Währing & Döbling radial miteinander. Da sie topografisch im leicht hügeligen Bereich des auslaufenden Wiener Waldes liegt, müssen mehrere Höhenrücken überwunden werden. Daher wird sie zum Teil im Tunnel oder im Einschnitt und zum Teil als Hochbahn mit Gebirgsbahncharakter geführt. Die Bahnstrecke wird abwechselnd durch Stütz- und Futtermauern, Brücken und Viadukte rhythmisiert. Die kreuzungsfreie Führung der Bahnlinie führt in den meisten Fällen zur Ausbildung von räumlichen und verkehrstechnischen Barrieren. Das Betreten der Brachflächen, vor allem im Bereich der als Bahnhöfe ausgebildeten Stationen, ist Großteiles verboten.

Mit einem zukunftsorientierten städtebaulichen Konzept soll eine Verbesserung des sozialen, kulturellen und ökologischen Mikroklimas der angrenzenden Quartiere angestrebt und eine hohe Nutzungsqualität erreicht werden. Die bestehende Verkehrsader soll daher als kulturelle und soziale Arterie behandelt werden. Entlang der Bahnlinie sollen an sieben neuralgischen Standorten architektonische Stents gesetzt werden, die das jeweilige Grätzel aufwerten. Die von Otto Wagner projektierten Stationen in Hütteldorf, Ottakring, Hernals & Gersthof sind in das Konzept einzubeziehen. Die im Laufe der späten 1980-er Jahre im postmodernen Stil errichteten Stationen Breitensee & Krottenbachstraße sind generell zu hinterfragen, vorzugsweise zu ersetzen und in die neuen Strukturen zu integrieren.

Die baulichen Interventionen sollen unter einer holistischen Betrachtung konzipiert und als starke, sozio-kulturelle Statements formuliert werden. Die architektonische Struktur soll in Verbindung mit einem leistungsstarken, optimierten Tragwerk und einem ressourcenschonenden und zukunftsorientierten Energiekonzept eine großzügige, funktionsoffene Struktur mit hoher Nutzungsqualität und Anpassungsfähigkeit an zukünftige Bedürfnisse ermöglichen.

Das Raumprogramm ist auf die jeweiligen Gegebenheiten des Ortes abzustimmen. Ein 3-dimensionales Raumkontinuum mit multifunktionalen und veränderbaren Räumlichkeiten soll für unterschiedliche Funktionen konzipiert werden. Grundsätzlich sollten an jedem Standort Veranstaltungsflächen – public houses - für 300-500 Personen sowie ausreichende Flächen zur temporären Aneignung mit niederschwelligem Zugang – public access - geplant werden.  Um einigermaßen pandemieresistente Strukturen zu gewährleisten, ist zwischen beheiztem Innen – und am besten überdachtem, nicht beheiztem Außenraum ein Verhältnis von 1:1 anzustreben.  Weiters ist eine strategische Reduktion des Individualverkehrs anzustreben. Eine ausreichende Versorgung mit Grün- und Außenflächen, zusätzliche Aneignungsräume bereitstellen, um ein besseres Naherholungsangebot und somit eine strategische Reduktion des Wochenverkehrs zu erreichen.

» Link zu LVA im TISS

» Termine